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Windows 11: Treiber während der Ersteinrichtung per USB-Stick laden

von | Juni 11, 2026 | tägliches | 0 Kommentare

Windows 11: Treiber während der Ersteinrichtung per USB-Stick laden

Bei der Neuinstallation von Windows 11 kann es vorkommen, dass während der Ersteinrichtung keine Netzwerkkarte erkannt wird. Besonders bei aktuellen Notebooks, neuen WLAN-Chipsätzen, USB-C-Docks oder USB-LAN-Adaptern fehlen im Installationsmedium manchmal die passenden Treiber.

Das ist vor allem dann problematisch, wenn das Gerät direkt während der Ersteinrichtung mit Microsoft Entra ID verbunden oder per Windows Autopilot bereitgestellt werden soll. Ohne funktionierende Internetverbindung kann der Prozess nicht sauber abgeschlossen werden.

In diesem How-To zeige ich einen einfachen und herstellerunabhängigen Weg, um passende Treiber während der Windows-Ersteinrichtung von einem USB-Stick nachzuladen.

Ausgangslage

Windows bringt viele Standardtreiber mit. Trotzdem kann es passieren, dass ein Gerät während der Installation oder Ersteinrichtung keine Netzwerkverbindung herstellen kann.

Typische Symptome sind:

  • WLAN wird während der Ersteinrichtung nicht angezeigt
  • ein USB-LAN-Adapter wird nicht erkannt
  • die Netzwerkauswahl bleibt leer
  • der Entra Join kann nicht abgeschlossen werden
  • Windows Autopilot bleibt im Netzwerkdialog hängen
  • der OOBE-Prozess lässt sich nicht sauber fortsetzen

Die Lösung besteht darin, die passenden Treiber während der laufenden Ersteinrichtung manuell zu laden.

Ziel dieses How-Tos

Ziel ist es, fehlende Treiber direkt im laufenden Windows-Setup einzuspielen, ohne das Windows-Installationsmedium vorher mit DISM bearbeiten zu müssen.

Der beschriebene Weg eignet sich besonders für:

  • fehlende WLAN-Treiber
  • fehlende LAN-Treiber
  • nicht erkannte USB-LAN-Adapter
  • Geräte, die während der OOBE keine Netzwerkverbindung anzeigen
  • Neuinstallationen mit anschließendem Entra Join
  • Autopilot- oder Intune-Rollouts

Auf die Erstellung eines Windows-Installationssticks wird in diesem How-To nicht eingegangen.

Was bedeutet OOBE?

OOBE steht für:

Out-of-Box Experience

Damit ist die Windows-Ersteinrichtung nach der eigentlichen Installation gemeint. In diesem Abschnitt werden Sprache, Tastatur, Region, Netzwerk, Benutzerkonto und gegebenenfalls die Verbindung mit Microsoft Entra ID eingerichtet.

Wenn Windows an dieser Stelle keine Netzwerkkarte erkennt, liegt das häufig nicht an der Hardware selbst, sondern an fehlenden oder nicht passenden Treibern.

Wichtig: Windows benötigt INF-Treiber

Für das manuelle Nachladen von Treibern werden entpackte Treiberdateien benötigt.

Geeignet sind Treiberordner, in denen Dateien wie diese vorhanden sind:

*.inf
*.sys
*.cat

Nicht ausreichend sind in der Regel reine Installationsdateien wie:

setup.exe
install.exe
driver.exe

Viele Hersteller liefern Treiber zuerst als EXE-Datei aus. Diese EXE-Dateien müssen vorher entpackt werden, bis die eigentlichen INF-Treiber sichtbar sind.

Vorbereitung des USB-Sticks

Die benötigten Treiber werden auf einem funktionierenden Rechner heruntergeladen und entpackt.

Auf dem Windows-Installationsstick oder auf einem zweiten USB-Stick wird folgender Ordner angelegt:

drivers

Eine sinnvolle Struktur kann zum Beispiel so aussehen:

USB-Stick
├── drivers
│   ├── network
│   ├── wlan
│   ├── lan
│   ├── chipset
│   └── usb

Die Unterordner sind nicht zwingend erforderlich. Sie helfen aber dabei, die Treiber später nachvollziehbar abzulegen.

Vor dem Einsatz sollte geprüft werden, ob wirklich INF-Dateien vorhanden sind. Auf einem Windows-Rechner kann dies mit folgendem Befehl geprüft werden:

dir D:\drivers\*.inf /s

Dabei muss D: durch den Laufwerksbuchstaben des USB-Sticks ersetzt werden.

Wenn keine INF-Dateien gefunden werden, sind die Treiber noch nicht richtig vorbereitet.

Windows 11 normal installieren

Zuerst wird Windows 11 ganz normal vom USB-Stick installiert.

Der typische Ablauf ist:

1. Vom Windows-Installationsstick starten
2. Sprache und Tastaturlayout auswählen
3. Windows installieren
4. Edition auswählen
5. Benutzerdefinierte Installation wählen
6. Zielplatte auswählen
7. Installation durchführen
8. Neustart abwarten
9. Windows-Ersteinrichtung starten

Wenn die interne SSD oder NVMe erkannt wird, muss an dieser Stelle kein zusätzlicher Treiber geladen werden.

Dieses How-To greift erst dann, wenn Windows nach der Installation in der Ersteinrichtung kein Netzwerk findet.

Eingabeaufforderung während OOBE öffnen

Wenn Windows im OOBE-Prozess keine Netzwerkverbindung anbietet, wird eine Eingabeaufforderung geöffnet.

Dazu im OOBE-Bildschirm folgende Tastenkombination drücken:

Shift + F10

Auf manchen Notebooks kann zusätzlich die Fn-Taste notwendig sein:

Fn + Shift + F10

Es öffnet sich eine Eingabeaufforderung.

Laufwerksbuchstaben des USB-Sticks finden

Der USB-Stick hat während der Installation nicht zwingend denselben Laufwerksbuchstaben wie auf einem normalen Windows-System.

Mit folgendem Befehl kann der Stick gesucht werden:

for %d in (C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z) do @if exist %d:\drivers echo Gefunden: %d:\drivers

Beispielausgabe:

Gefunden: E:\drivers

In diesem Beispiel liegt der Treiberordner also unter:

E:\drivers

Treiber mit pnputil installieren

Nun werden alle INF-Treiber aus dem Ordner drivers und allen Unterordnern installiert.

Beispiel mit Laufwerk E::

pnputil /add-driver E:\drivers\*.inf /subdirs /install

Der Befehl macht Folgendes:

BefehlsteilBedeutung
pnputilWindows-Werkzeug zur Treiberverwaltung
/add-driverfügt Treiber zum Windows-Treiberspeicher hinzu
E:\drivers\*.infverwendet alle INF-Dateien im Treiberordner
/subdirsdurchsucht auch alle Unterordner
/installinstalliert passende Treiber direkt für erkannte Hardware

Anschließend wird die Geräteerkennung neu angestoßen:

pnputil /scan-devices

In vielen Fällen erkennt Windows danach sofort die Netzwerkkarte. Ein Neustart ist nicht immer notwendig.

Netzwerktreiber prüfen

Zur Kontrolle kann geprüft werden, welche Netzwerkgeräte und Treiber Windows aktuell kennt:

pnputil /enum-devices /class Net /drivers

Wenn hier WLAN, LAN oder ein USB-LAN-Adapter mit einem passenden Treiber erscheint, war die Installation erfolgreich.

Danach kann die Eingabeaufforderung geschlossen werden:

exit

Im OOBE-Prozess sollte die Netzwerkauswahl nun erneut geprüft werden. Häufig kann die Einrichtung direkt fortgesetzt werden.

Falls das Netzwerk nicht sofort erscheint

Wenn nach dem Treiberimport noch keine Netzwerkkarte sichtbar ist, sollte zuerst ein erneuter Gerätescan ausgeführt werden:

pnputil /scan-devices

Danach nochmals prüfen:

pnputil /enum-devices /class Net /drivers

Falls weiterhin kein Netzwerkgerät angezeigt wird, kann ein Neustart helfen:

shutdown /r /t 0

Nach dem Neustart landet Windows wieder in der Ersteinrichtung.

Problemgeräte anzeigen

Wenn der Treiber nicht greift, sollte geprüft werden, ob Windows unbekannte oder fehlerhafte Geräte erkennt:

pnputil /enum-devices /problem /deviceids

Interessant sind Einträge mit:

Problem: 28

Das bedeutet in der Praxis häufig:

Das Gerät wurde erkannt, aber es ist kein passender Treiber installiert.

In diesem Fall sind meistens eine dieser Ursachen verantwortlich:

  • falsches Treiberpaket
  • falsches Gerätemodell
  • falsche Windows-Version
  • Treiber nicht vollständig entpackt
  • nur EXE-Dateien statt INF-Dateien auf dem USB-Stick
  • Hardware im BIOS/UEFI deaktiviert

Typische Fehlerquellen

Nur EXE-Dateien auf dem USB-Stick

Der häufigste Fehler ist, dass die heruntergeladenen Herstellerpakete unverändert auf den Stick kopiert werden.

Wenn im Treiberordner nur Dateien wie diese liegen:

setup.exe
install.exe
driver.exe

kann Windows diese Treiber im OOBE-Prozess in der Regel nicht direkt verwenden.

Benötigt werden die entpackten INF-Treiber.

Prüfung:

dir E:\drivers\*.inf /s

Falscher Laufwerksbuchstabe

Während der Windows-Installation kann der USB-Stick einen anderen Buchstaben erhalten als erwartet.

Deshalb sollte der Stick immer zuerst gesucht werden:

for %d in (C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z) do @if exist %d:\drivers echo Gefunden: %d:\drivers

Falscher Treiber für das Gerät

Geräte mit ähnlicher Modellbezeichnung können unterschiedliche WLAN- oder LAN-Chipsätze enthalten.

Deshalb sollten Treiber möglichst passend zu diesen Angaben heruntergeladen werden:

Hersteller
Modell
Generation
Seriennummer oder Gerätetyp
Windows-Version
64-Bit-Architektur

Gerade bei Business-Notebooks lohnt es sich, die Treiber über Seriennummer oder exakten Gerätetyp zu beziehen.

Falsche Windows-Version

Ein Treiberpaket für Windows 10 funktioniert nicht automatisch sauber unter Windows 11.

Wenn möglich, sollte das Treiberpaket zur tatsächlich installierten Windows-Version passen, zum Beispiel:

Windows 11 23H2
Windows 11 24H2
Windows 11 25H2

Kompakter Ablauf für die Praxis

Vorbereitung:

1. Treiber herunterladen
2. Treiber entpacken
3. INF-Dateien prüfen
4. Ordner drivers auf USB-Stick ablegen

Während OOBE:

Shift + F10

USB-Stick finden:

for %d in (C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z) do @if exist %d:\drivers echo Gefunden: %d:\drivers

Treiber installieren, Beispiel mit Laufwerk E::

pnputil /add-driver E:\drivers\*.inf /subdirs /install
pnputil /scan-devices
pnputil /enum-devices /class Net /drivers

OOBE fortsetzen:

exit

Einordnung für Microsoft Entra ID und Autopilot

Bei Geräten, die während der Ersteinrichtung direkt mit Microsoft Entra ID verbunden oder über Windows Autopilot bereitgestellt werden sollen, ist eine funktionierende Netzwerkverbindung entscheidend.

Wenn WLAN oder LAN erst nachträglich erkannt werden, sollte der Entra Join erst fortgesetzt werden, wenn die Netzwerkkarte stabil arbeitet. Andernfalls kommt es schnell zu abgebrochenen Anmeldevorgängen, unvollständigen Registrierungen oder fehlerhaften Intune-Einschreibungen.

Aus Sicht des Betriebs ist es deshalb sinnvoll, einen kleinen Rettungs-USB-Stick mit passenden Treibern vorzuhalten. Gerade bei neuen Notebook-Generationen spart das im Rollout viel Zeit.

Empfehlung für die IT-Praxis

Für Helpdesk, Rollout und kleine IT-Abteilungen hat sich folgender Standard bewährt:

1. Pro Geräteserie einen geprüften Treiberordner vorbereiten
2. Ordner immer drivers nennen
3. Treiber als INF-Dateien ablegen
4. USB-Stick regelmäßig aktualisieren
5. Ablauf intern dokumentieren
6. Erfolgreiche Treiberpakete versionieren

Damit entsteht ein einfacher, wiederholbarer Prozess.

Der Vorteil liegt darin, dass nicht jedes Windows-Image angepasst werden muss. Die Treiber können bei Bedarf direkt während der Ersteinrichtung geladen werden.

Kurzfazit

Wenn Windows 11 während der Ersteinrichtung keine Netzwerkkarte erkennt, muss die Installation nicht zwangsläufig abgebrochen werden.

Solange passende INF-Treiber auf einem USB-Stick vorhanden sind, können diese direkt in der OOBE mit pnputil geladen werden.

Der wichtigste Befehl lautet:

pnputil /add-driver E:\drivers\*.inf /subdirs /install

Dabei muss E: durch den tatsächlichen Laufwerksbuchstaben des USB-Sticks ersetzt werden.

Die hier beschriebene Lösung ist herstellerunabhängig und eignet sich besonders für Situationen, in denen Geräte schnell installiert, in Microsoft Entra ID aufgenommen oder per Intune weiterverwaltet werden sollen.

FAQ

Warum erkennt Windows meine WLAN-Karte während der Installation nicht?

Windows enthält viele Standardtreiber, aber nicht jeden neuen oder herstellerspezifischen WLAN-Chipsatz. Gerade bei aktuellen Geräten kann es vorkommen, dass der passende Treiber erst nachgeladen werden muss.

Kann ich auch eine Treiber-EXE verwenden?

Nicht direkt. Für diesen Weg werden INF-Treiber benötigt. Eine EXE muss vorher entpackt werden, bis Dateien wie .inf, .sys und .cat sichtbar sind.

Muss ich nach dem Treiberimport neu starten?

Nicht immer. Häufig reicht pnputil /scan-devices. Wenn das Gerät danach nicht erscheint, sollte ein Neustart durchgeführt werden.

Funktioniert das auch mit USB-LAN-Adaptern?

Ja, sofern der passende Treiber als INF-Datei vorhanden ist und der Adapter vom System erkannt wird.

Ist dieser Weg herstellerabhängig?

Nein. Der Ablauf ist herstellerunabhängig. Entscheidend ist nur, dass der passende Treiber für die jeweilige Hardware vorhanden ist.

Muss ich mein Windows-Image vorher bearbeiten?

Nein. Für den hier beschriebenen Weg ist keine Anpassung von install.wim oder boot.wim notwendig.